SOUL
DEMISE
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Painkiller Mag #7
March 2003
Interview with Andreas Bradl - Bass
by Yang Yu
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Ihr kommt aus Sueddeutschland, wie ist die Death Metal Underground Szene dort? Zu welchen Style neigen die meisten Bands dort und wieviel Fans kommen normal zu Clubgigs?
Hi Yang, die Szene hier ist am erstarken. Fr&üuml;her war es ein wenig mau, aber im Laufe der Zeit wurden es immer mehr Bands und die unterst&üuml;tzen sich auch gegenseitig. Man kennt sich, spielt Konzerte miteinander oder Besucht die Konzerte der anderen.
Es gibt hier in Bayern schon viele Death und Thrash Metal Bands, zwar nicht ausschließlich, aber ich denke sie machen den größten Prozentsatz aus.
Mit den Besuchern bei den Clubgigs ist das ganz verschieden. Das hängt sowohl von dem Ort, als auch vom Zeitpunkt ab, aber grundsätzlich w&üuml;rde ich sagen, dass zwischen 50 und 300 Leuten alles möglich ist. Im Durchschnitt kommen wohl so 150 Leute zu einer Show, aber wie gesagt, das variiert.
Gibt es eine Art Zwecksgemeinschaft unter den Bands der Szene? Z. B. da man sich im Bereich Ausstattung, Live - Gigs, Connections usw. untereinander aushelfen kann.
Wie gesagt, man bestreitet Konzerte miteinander und ggf. hilft der eine mal beim anderen aus. Man kennt sich eben und hilft so gut wie es möglich ist. Das gehört sozusagen zum guten Ton der Szene dazu. Diesbez&üuml;glich kann man wirklich nicht klagen, da es nur selten Konkurrenz Gehabe gibt.
Wie stehen die Chancen f&üuml;r Bands Eure lokale Szene an gute (Eigen-)Produktionen, Vertrieb, größere Gigs und in bekanntere Printmedien zu kommen?
Die Produktion ist eigentlich „nur“ eine Frage des Geldes. Leider gelten die heimischen Bands in Deutschland nicht besonders viel, haben deswegen selten einen guten Deal und somit bleibt ihnen oft nichts anderes &üuml;brig als die Produktion selber zu bezahlen, was wir ja auch schon einige Male gemacht haben. Mit den Vertrieben ist es das gleiche wie mit den Labels, das ist f&üuml;r Deutsche Bands einfach nur schwer. Zwar gibt es hier im Land viele Mailorder Vertriebe, die auch alle Bands aufnehmen, sofern sie qualitativ gut sind, aber mit diesen Mailordern kann man leider auch nur eine bestimmte Anzahl bzw. Personengruppe erreichen. Aber das ist schon mal besser als &üuml;berhaupt nichts. Die heimischen Magazine haben löblicher Weise auch immer eine Rubrik, in der sie Underground Bands vorstellen. Da es davon aber reichlich gibt, ist es nicht unbedingt so wahrscheinlich, dass man öfters Erwähnung findet.
Welche sind die typischen Probleme und H&üuml;rden, die man allgemein in der Szene häufig begegen und &üuml;berwinden m&üuml;ssen, um weiter zu kommen?
Das schwierigste ist es f&üuml;r eine „neue“ Band, an Konzerte ran zu kommen. Wenn man nicht im Ort einen Club hat, in dem man selber Konzerte veranstalten und somit andere Bands einladen kann, dann ist es schon nicht leicht. Es gibt zwar viele Konzerte in Deutschland, aber es gibt noch viel mehr Bands. Wir hatten damals das Gl&üuml;ck, dass es bei uns im Kaff einen guten Club gab, den man auch jeder Zeit buchen konnte. Somit war ein Mindestmaß an Konzerten pro Jahr schon mal gesichert und das ist in meinen Augen das Wichtigste. Nur durch eine gute Kritik in einem Magazin kommt man heute nicht mehr besonders weit.
Das nächste Problem ist die Produktion einer CD. Ohne Label kostet einen das halt viel Geld und nicht jeder ist bereit, f&üuml;r sein Hobby so viel Knete auszugeben. Und mit einer Schrott – Produktion schaufelt man sich eigentlich schon am Anfang sein eigenes Grab.
F&üuml;r alle Bands, die eines Tages groß rauskommen wollen, ist der Underground eine zwiespaltiges Status, wie sieht es aus mit Zusammenhalt von gleich gearteten BAnds oder Wettkämpfen mit Ellbogen-Manieren aus?
Von Ellbogenwettkämpfen kann ich Dir jetzt nichts berichten, aber es gibt leider auch in unserer Szene schwarze Schafe, die auf Kosten anderer den eigenen Vorteil suchen. Das ist wirklich traurig. Mit solchen Leute fange ich erst gar kein Gespräch an, sondern ignoriere sie. Mit solchem Pack will die Band nichts zu tun haben. Ehrlichkeit ist einfach wichtig. Der Zusammenhalt ist unter den uns bekannten Bands schon gegeben und das freut mich sehr. Letztendlich kann man es sich auf Dauer als Band auch nicht leisten, andere zu verarschen. Sowas spricht sich zum Gl&üuml;ck auch rum.
Grundsätzlich ist es so, dass Bands, die sich schon einen gewissen Status erspielt haben, sehr umgänglich sind. Im Gegensatz zu manchen Neulingen. Die denken manchmal, jetzt wo sie ne CD veröffentlicht haben, sie wären Rock Stars!! Kindisch.
Die meisten deutschen Bands des Undergrounds haben ihre großten Fankreis in ihrem lokalen Heimatstadt. Habt Ihr vorort gute Unterst&üuml;tzung von Eurem Fans?
Zu Beginn einer Karriere spielt man hauptsächlich im eigenen Ort und vor Freunden. Mit der Zeit ändert sich das aber. Bei uns ist es so, dass wir schon mehrere „Fanbasen“ in Deutschland haben. Das beschränkt sich zum Gl&üuml;ck nicht mehr auf den eigenen Landkreis. Aus der Ecke, aus der wir kommen, erfahren wir gute Unterst&üuml;tzung. Sei es, dass die Leute zu unseren Konzerten kommen, oder die CDs kaufen oder einfach nur unsere Shirts tragen. Das ist schon schön.
Im Underground gibt es zwei Arten von Bands: die einen schwören ewig auf Underground, wobei es mehr Spaß und der Fuck-Commerce-Attitute. Ein Großteil der Bands jedoch sind schon Markt-orientiert und warten auf ihren Chance, allerdings mit der Betonung, ihren eigenen Ding durchziehen zu wollen. Zu welchen gehört SOUL DEMISE?
Ich weiß nicht genau. Wir f&üuml;hlen uns wohl im Underground und genießen den ganzen Spaß in vollen Z&üuml;gen. Aber wenn sich f&üuml;r uns mal eine wirklich große Chance auftun w&üuml;rde, dann w&üuml;rden wir diese auch nutzen. Wobei es fast nie um das Finanzielle geht, sondern eher darum ,dass ein größerer Status einiges erleichtern kann. Man erreicht mehr Leute, kann einfach auf Toru gehen usw. Ich sage jetzt bestimmt nicht, dass wir die Musik nur f&üuml;r uns machen und uns der Rest der Welt nicht interessiert. Man steckt viel Zeit und Kraft in eine Band und wenn man dann durch Erfolg belohnt wird, dann freut ein das nat&üuml;rlich. Alles andere wäre gelogen. Es käme fast schon einer Selbstgeißelung gleich, wenn man Erfolge (wie groß oder klein sie auch sein mögen) ablehnen w&üuml;rde hahaha. Das es uns in erster Linie um die Band, Musik und Spaß geht haben wir ja schon deshalb oft bewiesen, da wir immer einiges an eigener Knete in die Band stecken, was sich letztendlich finanziell auch nicht auszahlt.
Ich habe im Laufe der Jahren den Werdegang von Band wie HATE SQUAD, CRACK UP, DISBELIEF, NIGHT IN GALES oder sogar CREMATORY und OBSCENITY mitverfolgen können, wie sie vom Underground zur Mainstream des deutschen Death Metals wurden. Befindet sich SOUL DEMISE auf dem selben Pfad?
Ich w&üuml;rde die von Dir aufgezählten Bands nicht als Mainstream des deutschen Undergrounds bezeichnen, außer Crematory. Na ja, vielleicht haben wir eine unterschiedliche Auffassung davon was Underground ist. Ich finde deren Entwicklung auch in keinster Weise negativ, im Gegenteil. Es zeugt doch davon dass Leute konsequent ihr Ziel verfolgen und sich f&üuml;r die Band abrackern. Wer im Fußballverein ist und am Wochenende gegen andere Mannschaften spielt, der will ja auch nicht dauernd verlieren, sonder am besten in die nächste Liga aufsteigen. Somit w&üuml;rde ich schon sagen, dass wir den gleiche Weg eingeschlagen haben. Wie weit wir ihn gehen werden bzw. wie weit wir kommen werden kann ich Dir aber nicht sagen. Das wird die Zeit zeigen.
Wenn eine Undergroundband den gewissen Durchbruch anziehlt, muß man sich da an einem Konzept orientieren, wo es gerade auf den Auswahl und Entscheidung der Band-Aktivitäten ankommt? (z. B. wann man mit wem auftreten will, Zielgruppe der Demo-/CD-Käufer, die Entscheidung Musik oder Job usw.)
Ich denke man muss in erster Linie konsequent 决心sein. Nat&üuml;rlich kommt es dann auch mal zu schmerzhaften Entscheidungen, z.B. wenn man eine Tour angeboten bekommt, und in dieser Zeit ein Wochenend Gig hätte. In der Regel zeigen die Leute dann aber Verständnis, wenn man sich f&üuml;r die Tour entscheidet.
Der Job ist desöfteren mal ein Problem f&üuml;r uns haha. Einigen fehlt der Urlaub f&üuml;r alle Aktivitäten die wir so betreiben, dann m&üuml;ssen &Üuml;berstunden gemacht werden usw. Die Band ist sehr zeitaufwändig und deswegen manchmal nur schwer mit dem restlicheh Leben zu vereinbaren.
Konzerte spielen wir grundsätzlich alle, solange wir nicht drauflegen m&üuml;ssen. Das haben wir zu lange geamcht.
Die meisten bekannteren deutsche Death Metal Combos spielen alle entweder schwedischen Death Metal oder sind US-orientiert. Wo ist der gute alte Deutsche Death a la alte MORGOTH/ATROCITY geblieben?
Schwierige Frage, ich weiß nicht ob es den guten alten deutschen Death Metal so gegeben hat. Man ist halt von irgendeinem Stil beeinflusst und den zelebriert man dann. Wobei ich uns jetzt in der Schnittmenge der erwähnten Stile liegen sehe. Vielleicht ist das ja auch ein wenig deutsch?
Ihr wart ziemlich pfleißig, was Live-Shows &üuml;ber ganz Europa angeht. Vorallem habt Ihr Euch einen guten Namen gemacht durch die Tour mit NAPALM DEATH. Inzwischen seid Ihr gut befreundet mit Barney & Co., nicht?
Ich w&üuml;rde uns und Napalm Death nicht als Freunde bezeichnen, daf&üuml;r kenn wir uns nicht gut genug. Aber wir haben uns gegenseitig respektiert und wir mögen uns. Es waren leider immer nur ein paar Tage (7 und 6) und da fehlt die Zeit um sich gut kennen zu lernen. Wir sind zudem in unserem eigenen Bus unterwegs gewesen, was die Sache nicht einfacher machte. Sympatisch sind wir ihnen auf jeden Fall und das ist gut.
Wie wichtig ist der Auftritt im Vergleich zu Veröffentlichungen f&üuml;r Euch?
Da gehen die Meinungen ein wenig auseinander in der Band. Ich finde dass es viel wichtiger ist viele Konzerte zu spielen, als regelmäßig jedes Jahr ne neue CD raus zu bringen. Das macht Sinn, wenn man ein fettes Label im R&üuml;cken hat und die entsprechende Promotion bekommt. Eine kleine Band wie wir erreicht die Leute am Besten bei Konzerten und &üuml;berzeugt sie dort.
Insgesamt stehen wir aber alle auf die Gigs, da wir gerne Party machen, Bier trinken und uns mit den Leuten unterhalten.
Das &üuml;berleben im &üuml;bersättigten Markt mit traditionelleren Death-Style ist generell sehr hart, wie ist es f&üuml;r Euch? Liegen die Chance des Durchbruchs im Falle einer Death Metal-Boom höher?
Sollte es wieder einen Death Metal Boom geben, werden wir auf jeden Fall davon profitieren, da es wieder mehr Leute geben wird die sich f&üuml;r diese Musik interessieren. Die Frage ist nur ob wir den Durchbruch schaffen. Das hängt von vielen Faktoren ab. Wir tun unser Bestes um weiter zu kommen, den Rest haben wir nicht in der Hand.
Seid Ihr eine "Do It Yourself (DIY) Death Metal Band"? Seid Ihr der Ansicht, daß man besser alles (Management, Verkauf/Vertrieb, Booking, Produktion, Promotion) ins eigene Hand nehmen sollen?
Uns blieb damals nichts anderes &üuml;brig als das zu tun und irgendwann gewöhnt man sich dran und will es nicht mehr anders. Wir sind so auf jeden Fall immer &üuml;ber alles informiert und können unsere Entscheidungen selbst fällen. Wir wären jedoch nicht abgeneigt, wenn sich ein professionelles Management f&üuml;r uns finden w&üuml;rde. Solche Firmen haben einfach die besseren und vor allem viel mehr Kontakte und könnten uns sicherlich sehr helfen. Nichts desto trotz w&üuml;rden wir nicht zulassen, dass wir zu abhängig von irgendjemanden werden w&üuml;rden.
Eure Full-length-CDs kamen &üuml;ber Gutter Rec. und jetzt Seasons of Mist heraus. Warum seid Ihr nicht bei Eurem Manager Christian Otto Remission Rec. unter Plattenvertrag?
Der Christian managt uns ja, das ist schon genug. Er hat sein Label erst vor eineinhalb Jahren gegr&üuml;ndet und hat leider keinen richtigen Vertrieb usw. Wenn er genauso gut eingerichtet wäre wie SOM dann wären wir sicherlich bei ihm gelandet, keine Frage. Bei ihm wissen wir wenigstens, dass wir nicht &üuml;ber den Tisch gezogen werden.
Ihr scheint jetzt einen Vorzug f&üuml;r Produktionen in Schweden (Berno-Studio) zu haben, wer finanziert und warum den weiten Weg machen, wo es im eigene Land doch nicht an gute Studios fehlt?
Das Problem ist, dass gleich gute Studios (zumindest die die wir kennen) in Deutschland einfach teurer sind. Beim Berno haben wir eine ausgezeichnete Atmosphäre und wissen dass der Sound passt. Die beiden Studioaufenthalte haben wir aus eigener Tasche bezahlt, leider.
Verrate uns mal Eure bisherigen Verkaufszahlen, welche Faktoren waren Deiner Meinung nach f&üuml;r eine Steigerung entscheidend.
F&üuml;r IN VAIN habe ich noch gar keine Verkaufszahlen und f&üuml;r BHP haben wir nur f&üuml;r 1,5 Jahre Abrechnungen gekriegt, der Rest steht noch aus. Ich schätze dass wir von BHP ca. 3000 Einheiten verkauft haben. Wir verkaufen selber recht gut bei Konzerten, deswegen ist diese Schätzung einigermaßen realistisch denke ich.
In Vain wird sich sicherlich besser verkaufen. Das liegt wohl an den Touren mit Napalm Death, an den guten Kritiken und Soundcheckplatzierungen, am besseren Sound und an der Vorarbeit die wir mit BHP geleistet haben. Man wird doch immer ein wenig bekannter und erreicht wiederum mehr Leute, die wieder mehr CDs kaufen usw.
Ihr geht bald wieder auf Tour, nicht? Mit GRAVE? Wie siehen sonst die Pläne f&üuml;r absehbarer Zukunft aus?
Die Tour mit Grave ist leider gecancelt worden, wegen Unfähigkeit der Boking Firma. Wir sind darauf aus, in diesem Jahr auf Tour zu gehen und so viel wie es geht an den Wochenenden zu spielen. Ansonsten werden wir neue Songs schreiben und evtl in der zweiten Jahreshälfte neue Kappuzenpullis machen.
Das letzte Wort an das andere Ende der Metal-Welt?
Danke erst mal an Dich f&üuml;r das Interview. Ich find’s geil, dass es auch in China Deaht Metal Heads gibt, wo ihr doch recht weit abseits vom Schuss seid. Da gehört schon noch mal ein wenig mehr dazu um sein Ding durchzuziehen. Respekt. Danke auch an alle, die den Underground und vor allem den Death Metal unterst&üuml;tzen. Hail
Andy
CD
"In Vain"
2003 Seasons of mist
CD "Beyond Human Perception"
2002 Gutter Rec.
MCD "Farewell To The
Flesh"
1998
CD "Inner Fears"
1996
Demo-MC
"Incantations"
1994
